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bildungswesen

Lernen von morgen: Am Elisabeth-Gymnasium in Halle arbeiten die Schüler mit Künstlicher Intelligenz im Unterricht. „Fiete.ai“ gibt Feedback zu Aufgaben und hilft, Leistungen zu verbessern. Foto: Andreas Stedtler

KI kommt in den Schulen an

Von Lisa Garn

Sachsen-Anhalt testet „fiete.ai“ im Unterricht. Es gibt Feedback in Echtzeit und schafft Entlastung für Lehrer.

Die Tür zum Klassenzimmer schließt sich, Schüler stellen ihre Laptops und I-Pads auf den Tisch und rufen „fiete.ai“ auf. Johannes Flöther  hat in dem KI-System seine zweite Lösungsversion zur Aufgabe schon hochgeladen. Auf dem Bildschirm sind  grüne Balken zu sehen. „Hier sieht man, wo ich mich verbessert habe, wo man noch was machen könnte“, sagt der 17-Jährige. „Für mich ist das ein gutes Instrument, um punktueller an Schwächen zu arbeiten.“ Der Zwölfklässler ist einer der Schüler, die am Elisabeth-Gymnasium in Halle mit Künstlicher Intelligenz im Unterricht arbeiten. Seit diesem Schuljahr ist „fiete.ai“ in Sachsen-Anhalt im Einsatz. Es soll Schüler fördern und Lehrer entlasten. 


Das Bundesland ist damit einer der Vorreiter beim Einsatz von KI im Unterricht. 35 Schulen und etwa 7.000 Schüler nutzen „fiete.ai“ ab der 9. Klasse  in einer Testphase. Im kommenden Halbjahr ist eine Erweiterung geplant. Das webbasierte Tool ist ein Feedback-Instrument: Es gibt Schülern Rückmeldung bei Textaufgaben –   individuell und nahezu in Echtzeit. Dafür erstellen Lehrer  bei „fiete.ai“ Aufgaben, zum Beispiel die Gedichtanalyse, Erörterung  oder Zusammenfassung von Sachtexten. Sie definieren auch Kriterien, die erfüllt werden müssen. „Je genauer wir die Kriterien formulieren, desto besser ist das Feedback“, sagt Lehrerin Katrin Riffert, die das System im Englisch-Unterricht einsetzt. Es zeigt genau, welche  Aufgabenteile gut gelöst wurden und welche nachbereitet werden müssen.  „Das kann der Hinweis sein, dass die Einleitung vergessen wurde,  Überleitungen fehlen oder die Sprache zu einfach  ist.“ Die KI gebe auch Tipps zur Verbesserung. Die Aufgabe kann überarbeitet und erneut abgegeben werden.

Hilfe bei Grammatik

Im Unterricht der Englischlehrerin ging es um die Präsidentschaftswahl in den USA.   Aufgabe war es, zu Hause einen Kommentar dazu zu schreiben, ob es sinnvoll ist, einen unabhängigen Kandidaten zu unterstützen statt jene der  beiden großen Parteien. Johannes  Flöther hatte noch bei der Textstruktur und Grammatik nachgearbeitet. „Dass die Ergebnisse so schnell da sind, spornt einen mehr an.“ Das Arbeiten mit „fiete.ai“ unterscheide sich von  Tests oder Klausuren, die auf Papier gelöst, von Lehrern korrigiert und nach zwei Wochen zurückgegeben werden. „Da ist man eigentlich schon wieder  aus dem Thema raus.“


 „Fiete.ai“  habe den Unterricht verändert, sagt Riffert. „In dieser Geschwindigkeit  können Lehrkräfte Schülern einer großen Klasse kein Feedback geben.“ Das Instrument verschafft   auch eine  Übersicht zu  Leistungsständen in der Klasse und dazu, ob  Themen   noch einmal im Unterricht aufgegriffen werden sollten. „Man muss aber bereit sein, die Hinweise ernst zu nehmen und damit zu arbeiten“, sagt die Pädagogin. „Dann gibt es  einen spürbaren Lernzuwachs.“  Aber: „Fiete ersetzt   Lehrer nicht.“ So produziere es  teils kleinere Fehler. „Wir gehen  die Arbeiten immer noch mal durch. Am Ende kommt es weiter auf die  persönliche Ansprache an. Dass jemand da ist für Fragen und Hilfestellung.“   Schulleiter Michael Mingenbach betont auch: „Fiete bleibt eine KI, die mit Daten gefüttert wird und die auch Fehler machen kann.“ 

Alles kritisch hinterfragen

Insgesamt gehe es darum, die Digitalität in Schulen voranzubringen. „Unsere gesamte Welt ist inzwischen digitalisiert. Entsprechend sind wir in der Schule herausgefordert, eine Kultur des Umgangs mit Digitalität zu schaffen.“ Schüler und Lehrer sollen Kompetenzen entwickeln, „mit digitalen Instrumenten zu arbeiten und sie gleichzeitig kritisch hinterfragen können“. Es gehe auch um Grundfragen einer Gesellschaft: „Wollen wir nur Funktionäre der Algorithmen einer immer technisierteren Welt sein oder diese Entwicklung selbst in der Hand haben?“


Der Einsatz von KI in Schulen zeigt einen Wandel in der Lernkultur, sagt Alexander  Entzian, Referent für  KI im Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA).  „Ziel ist, dass Schüler individueller betreut   werden.“ Instrumente wie „fiete.ai“ würden   dabei als Unterstützung eingesetzt. „Das ist kein  Selbstläufer:  Schule und Lernen sollen nicht Maschinen überlassen werden.“ Die Rückmeldungen zu „fiete.ai“ von Lehrern und Schülern seien überwiegend  positiv. Doch es gebe auch Zurückhaltung bei Lehrkräften. „Die Digitalisierung ist ein Prozess, bei dem auch Lehrer neue Kompetenzen erwerben müssen.“ Auch an  „fiete.ai“ soll weiter gearbeitet werden. „Die Erfahrungen der Lehrkräfte werden  genutzt, um das Lernen für alle Beteiligten zu verbessern“, so Entzian.


Künstliche Intelligenz  wird im Bildungswesen Sachsen-Anhalts auch  in anderen Bereichen eingesetzt.  So nutzen Lehrkräfte  „emu-KI“, mit dem Texte und Bilder generiert werden können – unter anderem zur Unterrichtsvorbereitung, für Elternabende oder um Texte in andere Sprachen zu übersetzen, die Kinder und Eltern mit Migrationshintergrund besser erreichen. „Fast 54 Prozent der Lehrer  nutzen dies bisher“, sagt  Entzian. Zudem soll es künftig auch eine Mathe-Online-Software geben, die Schüler passgenau unterstützt.

Viele weitere positive Beispiele zu #moderndenken in Sachsen-Anhalt lesen Sie hier 

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